Publication name
ICF Professional Coaches
Publication date
25 Aug 22
Coaching Type
Executive coaching
German

Executive Presence – Was ist das überhaupt und wie bekommt man es?

Bei der Suche nach einer guten Übersetzung für Executive Presence bin ich auf souveränes Auftreten gestoßen. Reicht das als Beschreibung für das, was damit gemeint ist? Meiner Ansicht nach nicht, denn es steckt viel mehr dahinter, wenn man von Executive Presence spricht. Diese Eigenschaft steht laut einer aktuellen Umfrage von Gartner bei den erwünschten Führungskompetenzen derer, die ganz nach oben wollen, an zweiter Stelle. Viele Coachings beginnen mit dem Ziel, Executive Presence zu verbessern. Was genau ist das also, wie sieht sie aus und wie um Himmels Willen tritt man als Führungskraft in der digitalen Welt mit der richtigen Präsenz auf? Das Thema ist spannend, denn wie genau Executive Presence als Führungskraft aussieht, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab und liegt in den Augen des Betrachters. Kurz gesagt, die Definition ist nicht so ganz einfach.

Laut Sylvia Ann Hewlett ist Gravitas der Kern von Executive Presence: Das ist die Fähigkeit, in Krisenzeiten Integrität, Mut und Vertrauen zu verbreiten.

Integrität wird nur als solche wahrgenommen, wenn der Führungsstil authentisch und konsequent ist. Dafür muss die Führungskraft sich der eigenen Grundwerte bewusst sein und wissen, wie diese Werte auch in schwierigen Situationen gelebt werden sollen. Führungskräfte, die im Einklang mit ihren Werten handeln, scheinen ausgeglichener zu sein, was dann wiederum zu einem Führungsstil führt, der als konsistent erlebt wird.

Wenn Sie Ihre Werte kennen, wissen Sie, was Sie vorantreibt: Sie wissen, was Ihnen Energie gibt und was Sie wütend macht oder Ihre Energie auslaugt. Wenn Sie verstehen, welche Werte hinter Ihren Entscheidungen stehen, treffen sie diese normalerweise auch leichter und vor allem in Einklang mit sich selbst und mit mehr Zuversicht. Das gibt Ihnen hoffentlich dann auch den Mut, zu gegebener Zeit schwierige Entscheidungen zu treffen. Entscheidungsfreude und -fähigkeit stehen definitiv auf der Liste der Kernkompetenzen für die Executive Presence.

Wenn Sie nun wissen, welche Werte hinter Entscheidungen stehen, sollte das auch dabei helfen, zu denselben zu stehen. Selbst wenn Sie im Nachhinein bei einer Entscheidung das Gefühl haben, einen Fehler gemacht zu haben oder gerne anders entschieden hätten, führen Sie sich folgendes vor die Augen: Sie haben Ihre Entscheidung aktiv und bewusst getroffen, da Sie wussten, dass diese in Einklang damit ist, wie Sie Ihre Werte leben möchten. Hoffentlich hilft diese Erkenntnis dabei sich weniger zu schuldig fühlen, wenn es nun die falsche Entscheidung war. Das heißt nicht, dass Sie nicht aus Fehlern lernen können, im Gegenteil: Ziehen Sie Ihre Schlussfolgerungen, überprüfen Sie erneut, wie Sie Ihre Werte leben möchten (wir ändern uns in unserem Leben ja öfter) und machen Sie sich in diesem Moment bewusst, welche konkreten nächsten Schritte sich aus diesem Lernen ergeben.

Ein weiterer Teil der Definition von Executive Presence ist sicherlich, wie Sie von Menschen wahrgenommen werden. Nicht nur äußerlich bezüglich Ihrer Kleidung, Ihrer Gesten, Ihrer Körpersprache usw., sondern vor allem in Bezug auf die innere Qualität, im Moment präsent zu bleiben. Präsenz bedeutet, dass Sie sich auf das Hier und Jetzt konzentrieren und gleichzeitig Ihre Zukunftsvision im Hinterkopf behalten. Präsent sein heißt auch, sich nicht an früheren

Problemlösungen festzuklammern, sondern offen für Veränderungen zu sein. Konzentrieren Sie sich auf die jeweilige Situation, Besprechung, Kommunikation, Problemlösung usw. in der Sie im Moment stecken. Ein Großteil der Fähigkeit sich zu fokussieren hat damit zu tun, das schnelldenkende Gehirn auszublenden und den davonlaufenden Gedanken nicht mehr zu folgen. Konzentrieren Sie sich einfach wieder auf die Situation oder das Meeting, oder hören aktiv zu, wenn Sie kommunizieren. Beenden Sie Ihren inneren Dialog – Beurteilung des gerade Gesagten, Ablenkung oder Tagträume – und lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das, was gerade gesagt wird. In der Situation wie jetzt, wo viele Meetings über Videokonferenzen stattfinden, ist dieses aktive Zuhören eine noch größere Herausforderung, da viele von uns remote von zu Hause arbeiten und sich nur in Videokonferenzen sehen. Es ist umso wichtiger. richtig zuzuhören und präsent zu sein: Zuhören bedeutet nicht nur, sich auf das zu konzentrieren, was gesagt wird, sondern es ist ebenso wichtig, den Raum (oder die Gesichter im Video-Fenster) zu lesen. Wenn Sie präsent sind, nehmen Sie Veränderungen der Atmosphäre und Stimmung Ihres Publikums wahr und können so Ihre Präsentation ändern, auf Bedenken eingehen oder wissen, dass gerade doch andere Informationen der Schlüssel sind, um zu überzeugen. Aus diesem Grund spielt Empathie eine wichtige Rolle bei Executive Presence. Es ist wichtig, gute Beziehungen zu knüpfen und zu pflegen. Wenn es Ihnen schwerfällt, empathisch zu sein, können Sie mithilfe von Mentalisierung herausfinden, was andere motiviert, und auf kognitiver Ebene verstehen, was das Gegenüber denkt und fühlt. Die wichtigste Fähigkeit, beim Aufbau dieser entscheidenden Beziehungen, besteht jedoch darin, Vertrauen zu schaffen. In Zeiten des virtuellen Arbeitens ist es noch wichtiger, genügend Zeit mit Netzwerken und Beziehungen zu verbringen, und nachhaltige und sinnvolle Gespräche zu führen.

Ein weiterer Teil der Executive Presence besteht darin, wie Sie kommunizieren und Menschen dazu bewegen Ihnen zu folgen – Führung heißt nun mal auch, Leute folgen und machen mit. Es geht also um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Überzeugungskraft und dem Begeistern für Ihre Vision, aber auch darum, letztere kommunizieren zu können.

Abgesehen von der bereits erwähnten Fähigkeit des Zuhörens, muss Ihre Kommunikation direkt, präzise und inspirierend sein. Wenn Sie während dieser Pandemie den ganzen Tag an Videokonferenzen teilgenommen haben, wissen Sie genau, was ich meine. Denken Sie eher in Stichpunkten und versuchen Sie, interaktiv mit Ihren Kommunikationspartnern Dialog zu fördern.

Gute Kommunikation heißt auch konsequent zu sein, eine Vorbildrolle zu übernehmen, schlechte Nachrichten gut zu überbringen und zuzugeben, wenn man etwas nicht weiß.

Präzise Kommunikation bringt das Wichtigste kurz und knackig auf den Punkt, ihr ist leicht zu folgen und sie ist gut strukturiert. Die Kommunikation der Führungsebene muss offen, konsistent und authentisch sein, um Vertrauen zu schaffen und Menschen zu beeinflussen. Vorbereitung ist ein weiterer wichtiger Faktor: Überlegen Sie vor dem Meeting oder der Präsentation, welche Fragen und Probleme sich ergeben könnten. Finden Sie heraus, wie das Publikum zu Ihrem Thema steht.

Ein wichtiger Baustein von Executive Presence besteht auch darin, eine Vision zu formulieren und dafür Begeisterung zu erzeugen. Kurz gesagt, Sie brauchen einen Elevator Pitch, der in aller Kürze vermittelt, was Ihre zukünftigen Ziele sind und wie Sie sie erreichen möchten. Dazu braucht es nicht nur die Kompetenz, eine Strategie zu entwickeln und eine Vision abzuleiten und zu formulieren, sondern auch die Fähigkeit, Menschen mitzureißen.

Eine andere Executive Presence Komponente ist politisches Geschick: Unternehmenspolitik nicht nur verstehen, sondern auch steuern zu können. Bauen Sie ein solides Netzwerk auf und bieten Sie diesem dann erst einmal Unterstützung. Überlegen Sie gut, was Sie zu bieten haben und was Sie beitragen können, bevor Sie um etwas bitten. Definieren Sie auch, wer Ihre potenziellen Unterstützer sind, wer Mentor oder Sponsor sein kann und wem Sie vertrauen, um Ihnen Feedback zu geben. Feedback ist ein wesentlicher Bestandteil Ihrer Reise zur Spitze. Nur wenn Sie zeitnahes und ehrliches Feedback erhalten, können Sie an der Veränderung arbeiten, die Sie für Ihren nächsten

Karriereschritt benötigen. Stellen auch Sie sicher, dass Sie klar kommunizieren, wie und wann Sie dieses Feedback erhalten möchten.

Executive Presence besteht also aus einer Vielzahl von Fähigkeiten, die man beherrschen muss. Coaching kann dazu beitragen, diese verschiedenen Kompetenzen auszubauen, indem Sie sich im Coaching-Prozess mit einem breiteren Know-how wie den genannten Werten, der Entscheidungsfindung, dem Vertrauen, der Präsenz, dem aktiven Zuhören, dem Einfühlungsvermögen, verschiedenen Aspekten der Kommunikation, der Vernetzung, dem politischen Geschick und vielem mehr befassen.

Wenn Sie auf der Website der International Coaching Federation ICF (www.coachfederation.de) auf Coach finden klicken, können Sie den richtigen Coach für sich und Ihre Bedürfnisse finden. Er oder sie wird Ihnen dabei helfen herauszuarbeiten, welche Fähigkeiten Sie verbessern möchten, um Ihrer Executive Presence den letzten Schliff zu geben. Nutzen Sie Ihren Coach, um zu üben, wie Sie – auch bei Videokonferenzen – auftreten und wie Sie auf andere wirken. Erfahren Sie, wie Sie Ihr Netzwerk effektiver nutzen können, formulieren Sie Ihre Vision und erleben Sie den Effekt. Finden Sie heraus, was Sie antreibt. Coaching kann bei diesem nächsten entscheidenden Schritt auf der Karriereleiter und Executive Presence helfen.

Wenn Sie Unterstützung beim Coaching in Ihrer Organisation und Ihrer Führungskräfte benötigen, kontaktieren Sie uns bei der ICF. Unser Team von Freiwilligen der ICF Germany hilft Ihnen gerne weiter.

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